Austausch zur Entwicklung der Zivilgesellschaft

Der deutsche Wissenschaftler Dr. Priller war zu Besuch in Usbekistan, um über die aktuellen Entwicklungen der Zivilgesellschaft in Deutschland zu berichten und die usbekischen Erfahrungen kennenzulernen. Auf zwei Veranstaltungen mit der Nationalen Assoziation der nichtstaatlichen Organisationen und der Akademie für Staatsverwaltung wurde das Thema intensiv diskutiert.

Dr. Priller, der über Jahrzehnte die deutsche Zivilgesellschaft erforschte, stellte positive wie negative Entwicklungen dar. Er betonte den sehr hohen Anteil an der Bevölkerung, der sich in Deutschland auf der einen oder anderen Weise ehrenamtlich einsetze. Durchschnittlich jeder Dritte in Deutschland engagiert sich. Die Zahl der gemeinnützigen Organisationen ist von 86.000 im Jahr 1960 auf heute fast 600.000 gestiegen. Aber es gibt auch negative Entwicklungen wie die abnehmende Zahl junger Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Negativ wirkt sich hier vielfach die hohe Mobilität aus, die der Arbeitsmarkt verlangt, aber auch die im Rahmen des Bachelor stärker verschulte Hochschulbildung, die weniger Freiraum für eigenes Engagement offen hält. Gemeinnützige Organisationen müssen sich daher auf die jungen Menschen besser einstellen, ihnen andere Einstiegsmöglichkeiten schaffen, mehr Chancen zur Qualifizierung anbieten und einen leichteren Zugang auch zu leitenden Ämtern in den Organisationen eröffnen.

Einen Unterschied zu Usbekistan sieht Dr. Priller vor allem in der Herangehensweise des Staates an die Zivilgesellschaft. Während in Usbekistan die Organisation im Vordergrund steht, also Förderungen vor allem auf die Gründung und die Arbeit von gemeinnützigen Einrichtungen gerichtet ist, steht in Deutschland das Engagement des Bürgers im Vordergrund. Die staatliche Förderung zielt darauf ab, das Engagement des einzelnen zu Fördern und zu unterstützen. Der richtige Weg, so Dr. Priller, liegt vermutlich in der Mitte, also beiden Aspekten im ausgewogenen Maße Aufmerksamkeit zu schenken.

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