Außenpolitische Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zentralasien

In Zentralasien konzentriert sich die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung auf zwei wichtige Fragestellungen. Zunächst geht es um die demokratisch gebotene Rückkopplung der außenpolitischen Entscheidungen an die Bevölkerung.

Wie kann man erreichen, dass die Formulierung und Durchführung der nationalen Außenpolitiken sich mehr an den Interessen und Vorstellungen der Bevölkerung orientiert?

Eine nachhaltige und erfolgreiche Außenpolitik ist nur möglich, wenn sie sich auf Dauer auf die Zustimmung der Bevölkerung stützen kann. Dafür ist es zunächst notwendig, in der Gesellschaft ein Verständnis für komplexe Zusammenhänge der heutigen verschränkten und interdependenten Welt zu schaffen. Zum einen fördern wir das gesellschaftliche Verständnis für außenpolitische Probleme mit öffentlichen Veranstaltungen und Veröffentlichungen, die sich an Universitäten und ein breiteres Publikum richten. Zum anderen laden wir heutige und zukünftige außenpolitische Entscheidungsträger_innen Zentralasiens ein, in einen Dialog miteinander und Expert_innen einzutreten, in dem wir die Auseinandersetzung mit Konzepten und alternativen Sichtweisen fördern.

Die Formulierung der außenpolitischen Strategien und die Wahl der entsprechenden Instrumente verlief in den ersten 25 Jahren der Unabhängigkeit der Region vorrangig im nationalen Rahmen. Die zentralasiatischen Republiken festigten ihre Staatlichkeit und suchten nach dem richtigen Platz in der internationalen Gemeinschaft.

Bei der absoluten Mehrzahl der Themen, die die außenpolitische Agenda Kasachstans, Usbekistans, Kirgistans, Tadschikistans und Turkmenistans bestimmen, gibt es eine regionale Dimension. Dazu zählen die Nachbarschaft mit Afghanistan und seinem andauernden Bürgerkrieg, die stockende Regulierung der Wasser- und Energieverteilung innerhalb und der Wettbewerb der Rohstoffabsatzmärkte außerhalb Zentralasien, die Integration und Kooperation mit konkurrierenden und überlappenden externen Ordnungsprojekten, die Herausforderungen der transnationalen terroristischen und extremistischen Bedrohungen und auch die Beziehungen zu den Großmächten.

Nun liegen aber nicht nur viele Probleme, sondern auch viele Antworten und Potentiale in der regionalen Nachbarschaft. Aus der europäischen Erfahrung schöpfend fördern wir genau deswegen Aktivitäten und Maßnahmen, die sich auf die Beantwortung der zweiten zentralen Fragestellung unserer Arbeit fokussieren.

Wie kann eine positive regionale Agenda für Zentralasien aussehen?

Wir sind der Überzeugung, dass man sich im politischen Diskurs immer der Schwere der historischen und politischen Erblasten bewusst sein kann, ohne dabei den Blick auf eine eigenbestimmte und in den Bedürfnissen der Gesellschaften selbst verwurzelte regionalen Agenda zu verlieren

Deswegen bemüht sich die Friedrich-Ebert-Stiftung um die Herstellung eines konstruktiven Dialogs zwischen den Vertretern der zentralasiatischen Gesellschaften. Es geht primär um die Aktualisierung der Forschungs- und Publikationslandschaft, die in der Außenbetrachtung durch amerikanische, europäische und russische Autor_innen der letzten 25 Jahre sich viel zu oft auf Probleme Zentralasiens konzentriert und dabei durch tradierte geopolitische Denkmuster der Region ihren Subjektcharakter in der internationalen Politik abgesprochen hat.

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